Testbericht Trompete VIENNA
TESTBERICHT AUS DER FACHZEITSCHRIFT SONIC
Autor: Markus Bebek
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Die C-Trompete ist aus dem Orchester kaum wegzudenken, nicht wenige Kollegen (besonders die Solobläser) spielen im Dienst fast ausschließlich C-Trompeten. So manche C-Trompeten sind auf dem Markt, besonders Drehventil-C-Trompeten haben auch bei Nicht-Profis in letzter Zeit einen gewissen Aufschwung erlebt: der Trend geht weg von den oft zu hellen Perinet-C-Trompeten, die Klangvorstellung wandelt sich auch hier immer mehr zum dunklen, vollen Ton der deutschen Trompete.
Doch eine richtig gute C zu finden ist schwierig, trotz stetig steigendem Angebot. Zu viele Instrumentenfirmen gehen davon aus, eine C-Trompete sei genauso zu bauen wie eine B-Trompete. Doch es genügt nicht, nur das Rohr zu verkürzen und das Schallstück zu verkleinern – eine C-Trompete benötigt in der Bauweise an so manchen Stellen Abweichungen von der B-Trompete.
Man muß also als Trompeter vieles antesten, wenn man sich nicht mit einem schlecht stimmenden Instrument begnügen will – es raubt einem den letzten Nerv, im Satz ständig durch Lippen- und Zungen-Akrobatik oder Pitch-Finder ausgleichen zu müssen.Die C-Trompeten von Schagerl waren in Deutschland ja noch vor den Schagerl B-Trompeten bekannt und erfreuten sich immer größerer Beliebtheit, besonders im Profi-Lager. „Schagerl-Männer" der ersten Stunde sind z.B. Prof. Hans Gansch (der die Schagerl Trompeten mitentwickelte), Tamas Velenczei, Gabor Tarkövi, Florian Klingler und eine Liste vieler weiterer großer Namen, die ständig länger wird.
Zum Langzeit-Test (3 Monate) stand mir also eine nagelneue, vergoldete Schagerl C-Trompete „W-2001" zur Verfügung; zwei Überblasklappen und ein neuartiger von der Firma Bernhard Zirnbauer entwickelter Trigger waren montiert. Die W-2001 ist aus Goldmessing gefertigt, die Bohrung (Ventildurchgang) hat einen Durchmesser von 11,05 mm. Ich spielte das Instrument abwechselt im Orchester, im Brass-Ensemble und als Solist.
Test
Das Instrument ist sehr gut verarbeitet, da gibt es nichts auszusetzen! Ab Werk ist die Trompete sehr gut geölt und an allen möglichen Stellen ausreichend gefettet. Die Züge laufen top und man hat richtig Lust, einfach mal reinzublasen.
Schon beim ersten Anspielen der Schagerl zeigte sich: das Instrument lässt sich unheimlich leicht und angenehm spielen. Dies ist auch besonders deutlich im Vergleich mit anderen Fabrikaten, wo man sich oft abmüht und das Ergebnis dann doch eher steril klingt. Anders bei der Schagerl: Man fühlt sich, als sei man ohne die „Zwischenstation Instrument" mit dem Ton verbunden; die Musik zu gestalten fällt auf diesem Instrument sehr leicht. Wie soll ich sagen – diese Trompete gehorcht aufs Wort!Dieser Umstand hängt einmal mit den konisch gebohrten Ventildurchgängen zusammen, die, laut Musikhaus Schagerl, einen besonders freien Luftfluß garantieren sollen. Das kann ich bestätigen, die Luft fließt sehr leicht durch das Instrument.
Zudem fällt auch wie bei den Schagerl B-Trompeten, eine strikt funktionale Bauweise auf, die auf jeglichen Schnickschnack verzichtet; das Design orientiert sich voll an Zweckmäßigkeit. Material ohne wirkliche Bedeutung wird man an der W-2001 kaum finden. Lobenswert!
Das Mundrohr ist bei der W-2001 freiliegend, d.h. ohne Ummantelung. Das Schwestermodell D-2001 hat das Mundrohr ummantelt und spielt sich meinem Gefühl nach etwas weniger leicht. Wer sich die W-2001 Instrument dennoch schwerer wünscht, dem bietet Schagerl die Ausführung mit „Heavy-Ventilstock" an, auch schwere Ventildeckel kann man an dem Instrument noch anbringen. Meiner Meinung nach verbessert aber dieses Tuning das Instrument nicht, im Gegenteil: das schöne Gefühl des freien Spiels wird durch diese Gewichte beeinträchtigt und die Töne verlieren an Brillianz. Mein Tip: weglassen. Einzig empfiehlt sich das Anbringen einer weiteren Stütze.
Der Klang des Instruments ist natürlich bei jedem Bläser anders, die W-2001 bietet aber beste Voraussetzungen zum Einsatz im großen Orchester, im Kammerorchester, im Brass-Ensemble und in der Solo-Arbeit.. Der Klang ist immer schön weich, brillant und zentriert. Im Saal klingt dieses Instrument besonders gut und weit tragend. Auch die Gold/Silber-Beschichtung tut da sicher ihr übriges, das Gold gibt dem Klang meiner nach nicht nur das edle Aussehen sondern veredelt auch den Klang. Auf jeden Fall ist aber ein großes Mundstück zu empfehlen, um den Klang voll entfalten zu können. Ich bleibe da bei meinem YAMAHA 17C4 (3,99-Bohrung), aber auch ein Bach ¼ C von der Stange ist gut, oder vielleicht ein Laskey 70MD (bei Schagerl erhältlich).
Die Intonation der W-2001 ist absolut vorbildlich; nicht oft findet man eine C mit derart guter Stimmung! Nicht nur der Test mit Stimmgerät sondern auch der im Satz mit anderen Trompetern und der im Orchester wurde von der W-2001 souverän bestanden. Die Intonation ist wirklich vorzüglich, auch der Problem-Ton cis'' fällt bei der Schagerl nur wenig aus dem Rahmen und man kann ihn mit Hilfsgriff gut spielen. Besonders beeindruckend ist, dass diese Top-Stimmung kein Einzelfall bei Schagerl ist - alle W-2001-C-Trompeten, die ich bis jetzt angespielt habe, weisen diese Eigenschaft auf.
Die Maschine ist, wie immer bei Schagerl, von Bernhard Zirnbauer gefertigt und bei regelmäßiger Pflege gut und zuverlässig.
Die Überblasklappen sind bei dem Testinstrument gut angebracht und, wie auch die Wasserklappe, mit Gummi-Stoppern versehen. Ob man die Klappen nun verwendet oder nicht, muß man selbst entscheiden; im Ernstfall ist man ab und an froh, darauf zurückgreifen zu können, und die Schagerl-Klappen tun ihren Dienst. Man sollte aber unbedingt verschiedene Züge testen, das anbringen von Überblasklappen ist Millimeterarbeit und auch bei bester Handwerksarbeit können mal schlechter gesetzte Klappenlöcher dabei sein.
Was mir nicht so gut gefällt ist die Mundstückaufnahme, die bei der W-2001 wie bei allen Schagerl-Trompeten serienmäßig angebracht ist. Natürlich hat man sich etwas dabei gedacht: der Übergang von Mundstück ins Mundrohr soll möglichst fließend sein und dies ist auch wünschenswert, um Luftwirbel zu vermeiden. Jedoch, sobald man verschiedene Mundstücke verwendet, die im Schaft nicht übereinstimmend dick sind, können die Mundstücke locker sitzen. Legt man dann z.B das Instrument zum Pulthochdrehen o.ä. auf den Schoß – klonk! – ein weiteres Mundstück ist hinüber und wandert ins Regal. Das ist auf die Dauer sehr teuer - deshalb: entweder zu jedem Mundstück eine eigene Mundstückaufnahme kaufen oder die Trompete ohne Mundstückaufnahme bestellen.
Neuartiger Trigger
Der Trigger von Bernhard Zirnbauer mutet mir zunächst etwas überbordet an, etwas umständlich scheinen die Gestänge mit Gelenken und Federn am Instrument angebracht. Doch beim zweiten Hinsehen und beim Benutzen kann man sofort sagen: Daumen hoch! Denn durch eine bestimmte Anordnung des Gestänges ergibt sich eine Übersetzung, d.h. der dritte Zug schiebt sich weiter heraus als man drücken muss. Sehr gut!!
Außerdem befindet sich nun das Kugelgelenk, das man zum Wasserentleeren aushängen muß, auf der Unterseite des Instruments, was diesen Prozeß erheblich erleichtert. Wiederum gut!
Einzig negativ erschien mir das relativ laute Geräusch des Triggers beim „Kick-Down", also vollständigem Drücken. Dies kann eventuell bei CD-Aufnahmen o.ä. etwas störend sein, aber, durch das Anbringen von Gummis kann man dieses Geräusch abdämpfen. Der Trigger von Zirnbauer ist spitze, kostet alledings Aufpreis.
Fazit
Die Schagerl C ist ein Spitzeninstrument, das ist schon allein aus folgender Tatsache klar: immer mehr Top-Trompeter (auch in amerikanischen Orchestern) entscheiden sich für dieses Instrument. Klang, Spielgefühl und Stimmung sind top, in diesen Punkten haben die Schagerls einfach den Dreh raus! Die Schagerl W-2001: a class of its own!
